„Ich töte deine Familie”

Im vergangenen Jahr wurde Benedikt Duda, der Vize-Europameister von 2024, in sozialen Medien übel beschimpft und bedroht, nachdem er beim WTT-Champions-Turnier in Yokohama gegen den Dänen Anders Lind überraschend verloren hatte und vorzeitig ausgeschieden war. „Ich töte deine Familie“, hieß es da, oder: „Ich wünsche dir Krebs.“ Im Interview mit der HAZ erklärte er nun, warum er zur Zielscheibe von Leuten geworden war, die auf Sportarten wetten, von denen sie wenig Ahnung haben: „Die denken wohl, ich fliege 13 Stunden nach Japan, um innerhalb einer halben Stunde das Spiel absichtlich abzuschenken ... Als Athlet kann ich kontrollieren, ob ich den Ball treffe. Als Wetter habe ich keine Kontrolle. Und weiß nicht: Wie fühlt sich der Sportler? Hat er sich nachts übergeben? Hat er Jetlag? Das sind Faktoren, die die Leute nicht berücksichtigen und denken, er muss gewinnen.“ Im Welt-Tischtennis sei außerdem alles so eng geworden, dass man nicht mehr vorhersagen könne, wer als Sieger vom Tisch geht.

Die Folgen der Beschimpfungen und Bedrohungen seitens anonymer Accounts, beschäftigten ihn noch Monate später. In den ersten sechs Wochen danach war er zurückhaltender und gab weniger Autogramme. Und nach Niederlagen dachte er: „Jetzt kriege ich wieder diese scheiß Nachrichten.“ Und ging auf manche Bälle nicht mehr so entschlossen drauf wie zuvor.

Es bedurfte somit der Hilfe eines Mentaltrainers, um die Hasskommentare aus seinem Kopf zu verdrängen und sich wieder auf Tischtennis konzentrieren zu können.

Allen Spielern, denen Ähnliches widerfährt, rät Duda, die Profile von Hasskommentatoren zu blockieren und sie bei Instagram zu melden. Meistens würden sie dann direkt danach gelöscht.

Foto: 2eight/Wikipedia

Weiter
Weiter

Vereinsmeisterschaft 2026 – endet die Ära Fricke?